Kübelesmarkt

Küblerbüttel

Entstehung des Cannstatter Büttels

Kurz vor Beginn der Fasnetskampagne 2000 wurde ich vom Küblerrat des Kübelesmarkts Bad Cannstatt gebeten, das Amt des Küblerbüttels zu übernehmen. Meinem Einwand, statt Küblerbüttel einen Cannstatter Büttel zu schaffen, der auch als historische Figur auftreten könnte, wurde nach reiflicher Überlegung zugestimmt. Hiermit war die Grundlage geschaffen, nicht nur zur Fasnetszeit, sondern das ganze Jahr über bei Veranstaltungen als historische Figur von Bad Cannstatt auftreten zu können. Dies entsprach meinen Vorstellungen so dass ich die Berufung nicht mehr ablehnen konnte.

Denn wer „A“ sagt muss auch „B“ sagen. 

Fürs Erste wurde eine alte, schon reichlich ramponierte Fasnets-Bütteluniform der Kübler aus dem Fundus geholt und von meiner Frau notdürftig hergerichtet. In dieser Uniform verbrachte ich als Büttel meine erste Fasnet sowie weitere Auftritte übers Jahr in Bad Cannstatt und Umgebung. Ich hatte sehr viel Spaß an meiner Aufgabe, doch im Hinterkopf  hatte sich der Wunsch nach einer historischen Uniform festgesetzt.

Nach Rücksprache mit dem Küblerrat mussten wir feststellen, dass so eine Anschaffung finanziell nicht möglich war. Ich besprach mich mit Freunden und Gönnern, die meine Idee nicht nur für gut hielten, sondern mir auch finanzielle Unterstützung zusicherten.

Projekt gesichert, Freude groß, die Recherchen gehn jetzt los.

Ursprünglich war geplant, eine Original-Bütteluniform aus dem Jahre 1818 (Stiftungsjahr des Cannstatter Volksfestes) zu schaffen. Diese Idee mussten wir jedoch schnell begraben, denn eine einheitliche Uniform gab es im Königreich Württemberg  erst ab dem Jahre 1872, als alle Büttel im Lande der Landwehr unterstellt wurden. Vor dieser Zeit konnte jeder Bürgermeister seine Büttel anziehen wie er wollte.

Reichliche Unterstützung erfuhr ich durch den Polizeipräsidenten Konrad Jelten, sowie durch die Revierführer Dietmar Seibold und Stefan Genzi aus Bad Cannstatt. Durch sie wurde mir Tür und Tor zum 1. Württembergischen Polizeimuseum in Deizisau geöffnet.

Bei meinem dortigen Besuch empfing mich Herr Josef Kuntz wie ein alter Bekannter und führte mich zum historischen Büttel, der in voller Montur dastand. 

Meinem Einwand, ich müsste den Büttel in allen Details abfotografieren, entgegnete er: „Dann ziag an halt aus“. 

Mit meinen so erstandenen Unterlagen wurde ich bei der Uniformfabrik Nägele in Tübingen vorstellig, die mir eine Nachbildung der Orginal-Bütteluniform nach Maß, bis ins kleinste Detail zusicherte. Bei Kaffee und Butterbrezeln wurden alle Einzelheiten fixiert und der Liefertermin festgelegt.

Pünktlich zum Honoratiorenabend im Jahr 2001 konnte ich zum ersten Mal die Gäste des Kübelesmarktes Bad Cannstatt in meiner neuen Uniform begrüßen.

Als Krönung konnte ich auf der Stuttgarter Sammlerbörse noch einen Original Königlich-Württembergischen Säbel aus der Zeit von König Friedrich erstehen. Somit war die Bütteluniform des Cannstatter Büttels vollständig.  

Mein Dank gilt all denen, die meine Idee unterstützt haben, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen, den Mitarbeitern der Firma Nägele, ohne die dieses Schmuckstück nicht zustande gekommen wäre und meiner Frau Isolde, genannt Bütteline, die mich bei all meinen Aufgaben unterstützt.

Mein Dank gilt aber auch allen Kritikern, die mich immer wieder zu neuen Ideen anstacheln.


Wolfgang Pfeffer  „Cannstatter Büttel“