Kübelesmarkt

So fing bei den Scheureburzlern alles an

von Martin Motschenbacher

Wer in einem Kultur- und Fasnachtsverein wie dem Kübelesmarkt Bad Cannstatt aktiv ist, dort auch noch bei den Maskenträgern, der Narrengilde der Felben, kommt automatisch immer wieder in die Situation, Klamauk, Sketche und vieles mehr für andere aufführen zu dürfen.
Das hat uns so viel Spaß gemacht, dass eine Handvoll theaterbegeisterte Leute sich 1989 dazu entschlossen, richtiges, abendfüllendes Mundarttheater zu spielen.
Der Küblerrat, allen voran unser damaliger Oberkübler Robert Kauderer, ist zunächst zögerlich dann aber fest entschlossen meiner Intuition gefolgt, im Kübelesmarkt Bad Cannstatt eine Theatergruppe zu installieren. Der Verein überließ mir gar die unglaubliche Summe von 500,00 DM als Startkapital.
Weitere agile Mitspieler waren schnell gefunden, aber so vielfältig wie die Menschen eben sind, so vielfältig waren auch die Ansichten. Es war aber eine klare Linie da, und somit konnten wir die meisten Strömungen unter einen Hut bringen. Wichtig war und ist bis heute die Prämisse, solides, handwerklich gut gemachtes Volkstheater darzubieten, also unseren Mitmenschen aufs Maul und sonst wohin zu schauen, um so mimisch und gestisch möglichst „echt“ zu wirken. Schnell war uns klar, dass die Schauspielerei im Volkstheater durch das dosierte Überziehen bis hin zum behutsamen Karikieren an passender Stelle die einzig Erfolgsversprechende Vorgehensweise war.

Deshalb auch der Name „D’Scheureburzler“, wie er passender und schwäbischer kaum sein könnte. Auch der Name zeigt die uralte, freundliche und vorsichtige Distanz, aber auch ein Hauch der Achtung vor den Schauspielern: „Des send halt ganz andre Leut“.

Die Arbeit am ersten Stück begann also, und wir haben gelernt, enger, intensiver und zwangsläufig auch offener miteinander umzugehen. Bedingt durch das Wechselbad der Gefühle, z.B. beim Proben vor der Premiere sowie vor, während und nach einer Aufführung wird der Charakter des Einzelnen schnell zum offenen Buch, in dem alle Mitspieler lesen dürfen - vorausgesetzt der Betreffende lässt dies zu. Dies ist aber die Voraussetzung dafür, einen anderen als den eigenen Charakter auf der Bühne glaubhaft „rüberzubringen“, sich für kurze Zeit in ein anderes Ich hineinzudenken, Bühnenpräsenz zu zeigen. Nichts also für introvertierte Leute oder solche mit schwachen Nerven.
Wir wollen demnach unser Publikum nicht nur in die heitere Welt der Komödie entführen, sondern auch verführen! Den Zuschauer dahingehend verführen, sich selbst in der ein oder anderen Rolle wieder zu finden und ihm einen unsichtbaren Spiegel vorzuhalten, um ihm die Möglichkeit zu geben, über so manche allzu menschliche Parallele, in der er sich vielleicht wieder findet, zu schmunzeln oder lauthals zu lachen. Oder warum glaubt Ihr, lachen die Leute bei den unmöglichsten Szenen auf der Bühne?
Es gibt nichts Schwierigeres, als sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen und andererseits nichts Schöneres, als - wenn vielleicht auch unbewusst - über sich selbst lachen zu können.

Bis alles soweit war, musste sehr viel Aufbauarbeit geleistet und Veränderungen bewältigt werden. Nichts ist mehr so, wie es am Anfang war, bis auf unser Ziel, unsere Ideologie, den Zuschauern und natürlich somit auch uns, mit den Darbietungen Freude zu bereiten und so für ein paar Stunden dem Alltagstrott zu entfliehen.

Unsere Bühnentechnik wurde im Laufe der Jahre, dank des handwerklichen Geschickes unserer Mitglieder, immer professioneller. So steht heute bereits die dritte Kulissengeneration auf der Bühne, ganz zu schweigen von einer opulenten und umfangreichen Bühnenelektronik. Ebenso hat der Umfang unserer Requisiten schon heute ein beträchtliches, bisweilen beängstigendes Ausmaß angenommen.

Im Laufe der Jahre konnten wir uns in erster Linie in der Zaiss`schen Kelter etablieren, und wir probieren laufend neue Spielstätten aus, wie z.B. unsere neue Spielstätte, die SpVgg Cannstatt in der Hofener Straße 115. Aber auch außerhalb Bad Cannstatts Mauern, z.B. in Plochingen, Wehingen und in vielen weiteren Orten waren und sind wir eine gern gesehene Gastspielgruppe.

Aus zeitlichen Gründen können wir gar nicht so oft spielen, wie wir gerufen werden, was die Sache an sich ja ziemlich spannend macht, genauso wie der Kartenverkauf für unsere Aufführungen, der dadurch immer in Windeseile über die Bühne geht.

Seit Jahren sind wir auch Mitglied im Landesverband Amateurtheater, der uns immer wieder die Möglichkeit der Fortbildung in den verschiedensten Sparten anbietet und eben einen erfahrenen Background bietet. Ebenso sind wir Mitglied im Verein „schwäbische mund.art e.V.

Viele tolle Aufführungen konnten wir nun seit unserer Gründung im Jahre 1989 erleben, den Namen Scheureburzler im Kübelesmarkt Bad Cannstatt haben wir in dieser Zeit bekannt gemacht und uns in Laienschauspielerkreisen einen guten Ruf erworben.

Nach erst 16 Jahren gab es aber auch bei uns einen Stabwechsel. Am 14.12.2004 habe ich mein Amt als Vorsitzender und Spielleiter abgegeben, um neuen spannenden Ideen Raum zu geben und die Jüngeren „ranzulassen“.
Am 01.03.2005 wurde Robert Porrmann, als begeisterter Schauspieler ein langjähriges Mitglied der Scheureburzler, bei der Mitgliederversammlung in das Amt des Vorstandes gewählt. Bereits nach kurzer Amtszeit hat er ein glückliches, mobilisierendes Händchen als Vorstand bewiesen. So war bereits im Mai 2006 die Premiere des neuen, aktuellen Stückes „Außer Kontrolle“ eine herrliche, dynamische Verwechslungskomödie bühnenreif auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu sehen.
Bei diesem Stück wurde erstmals ein „fremder“ erfahrener Spielleiter, Michael Giese, mit der Inszenierung des Stückes betraut, was ein weiterer Zugewinn war.

Für das kommende Jahr 2007 ist bereits die Teilnahme an den Cannstatter Mundarttagen geplant, bei der wir uns in etwas anderer, aber garantiert humorvoller Form, präsentieren wollen.
In gewohnter Form allerdings soll die Premiere des neuen Stückes im November 2007 stattfinden.

Es geht also weiter und wir steuern voller Tatendrang auf unser 20 jähriges Jubiläum im Jahre 2009 zu. Dies geht nicht ohne Sie, unsere Zuschauer. Ihnen gilt unser besonderer Dank, dass Sie uns schon so lange die Treue halten und immer wieder theaterbegeisterte Bekannte, Freunde und Verwandte mitbringen, die dann ihrerseits wiederum theaterbegeisterte Bekannte, Freunde und Verwandte mitbringen usw.

Alles geschriebene kann Ihnen allerdings nur ein schemenhaftes Bild von uns zeichnen, kommen Sie zu einer unserer Aufführungen und sehen Sie selbst, Sie werden es nicht bereuen!

Bad Cannstatt, 06.12.2006
Martin Motschenbacher