Kübelesmarkt

Tradition trifft Moderne

Die Trachtengruppe des Kübelesmarkt Cannstatt e.V. hat sich zu seinem 30-jährigen Jubiläum etwas ganz besonderes einfallen lassen. Inspiriert von den Stichworten "Stolz", "Tradition", "Tracht" und "Moderne" entstand das folgende Fotoprojekt. Zusammen mit der Fotografin Anne Schubert aus Degerloch haben es sich die Mitglieder der Trachtengruppe zur Aufgabe gemacht, diese Themen künstlerisch in unsere heutige Zeit zu übertragen - so entstand das Motto "Tradition trifft Moderne". Jeder Mitwirkende trägt seine eigene Tracht und hat ein bestimmtes traditionelles Accessoire gewählt. In einem kurzen, von jedem Mitglied selber verfassten Text erzählt jeder seine ganz persönliche Geschichte, warum er zur Trachtengruppe gefunden hat und was für sie oder ihn das Motto "Tradition trifft Moderne" bedeutet.

Franzi, 28 (Vorsitzende der Trachtengruppe) - Festtagstracht:

"Mein Leben verkörpert das Motto 'Tradition trifft Moderne'!"

"Mein ganzes Leben lang bin ich schon infiziert von dem Virus 'Tradition'. Bereits meine Großeltern waren in Sachen Brauchtumspflege und Tracht unterwegs in Deutschland und auf der ganzen Welt. Meine Eltern waren dann 1987 Gründungsmitglieder der Trachtengruppe und so bin ich mit dem Thema 'Tradition' in seinen vielen Facetten aufgewachsen.
Meine erste Tracht trug ich als ich noch nicht einmal richtig laufen konnte und bis heute fühle ich mich vor allem eines darin: stolz! Stolz auf die Geschichte, die die Tracht, die ich trage, historisch und auch persönlich (es ist das Hochzeitskleid, in dem meine Mutter meinen Vater geheiratet hat) verkörpert und stolz darauf, dass ich diese Geschichte in eine weitere Generation weitertragen und erzählen darf. Die Tradition weiterzugeben und dabei nicht als eingestaubt wahrgenommen zu werden, das bedeutet für mich 'Tradition trifft Moderne' und das versuche ich bei meiner Arbeit für die Trachtengruppe in jedem Detail auszustrahlen."

Sebastian, 37 Jahre - Werktagstracht:

"Alles, was mir immer schon wichtig war (wie Musizieren, Tanzen und mit tollen Menschen Spaß haben), vereint sich hier in der Trachtengruppe."

„'Tradition trifft Moderne' bedeutet dabei u.a. für mich, mit meiner traditionellen Tracht, welche bereits vor einigen Jahrzehnten in ähnlicher Form getragen wurde, erhaben über das heutige Volksfest zu schlendern und mich von der 'Plastikdirndel'-Welt abzuheben.
Was mich besonders stolz auf meine Werktagstracht macht, ist meine schöne Tuchweste und meine Geldkatze. Beide sind schon ziemlich alt und bringen mich Stück für Stück meiner Festtagstracht etwas näher. Die Pfeife symbolisiert hierbei für mich Genuss und Entspannung in unserer schnelllebigen und hektischen Zeit.
Mein Weg in die Trachtengruppe hat mit Musizieren unter ehemaligen Pfullendorfern in Stuttgart begonnen. Mit jedem Auftritt unserer KaisersHAUSBAND haben sich mehr und mehr musikalische Größen für unsere tolle Band interessiert. Was ich vor einigen Jahren natürlich noch nicht wusste, war, dass unsere erste Geige nun die Vorständin der Trachtengruppe ist. Mein Weg, wie auch der Weg vieler anderer KHB-Mitglieder, in die Trachtengruppe grenzt somit fast an göttliche Fügung ;-)"

Nina, 28 Jahre - Werktagstracht:

„Wir sind ein großer Freundeskreis, welchem das Thema Heimat und Tradition am Herzen liegt.“

"Für mich war der Weg in die Trachtengruppe eigentlich nicht weit, seit Jahren kenne ich bereits einen Großteil der Leute, da wir in der Freizeit schon immer viel gemeinsam unternommen haben. So war es eigentlich nur noch eine Formalität, dem Verein beizutreten. Nichtsdestotrotz war dieser Beitritt eher unkonventionell – so wie es eben die ganze Truppe ist! Bei einer gemeinsamen Feier habe ich meinen formlosen Mitgliedsantrag einfach auf einer Serviette unterschrieben. Aber wer sich auskennt weiß, dass so die wirklichen Verträge geschlossen werden ;-)
Für mich persönlich bedeutet 'Tradition trifft Moderne', dass wir jungen Leute traditionelle Themen in unser heutiges Umfeld integrieren – und zwar eben gar nicht altmodisch und angestaubt! Die Trachtengruppe hat sich dies zur Aufgabe gemacht und wir haben viele Gelegenheiten, die zeigen, dass wir Brauchtum modern leben - so näht jeder beispielsweise seine Werkstagstracht selbst. Diese wiederum präsentieren wir stolz bei vielen Gelegenheiten. So sind wir schon in Tracht im Europapark Silverstar gefahren (im Rahmen der jährlichen Heimattage) oder sind bei unserem jährlichen Maibaumfest 'in den Mai getanzt'. Aber auch wenn die Tracht mal im Schrank hängen bleibt, finden wir viele Gelegenheiten um gemeinsam unsere Freizeit zu verbringen. Wir haben schon zusammen mit der KaisersHAUSBAND in einer Jagdhütte auf dem Wasen musiziert oder haben auf der Obertürkheimer Weinwanderung amerikanischen Touristen traditionelles Liedgut beigebracht. Wir sind also in jeder Hinsicht modern und aufgeschlossen und freuen uns über jeden, der mitwirken möchte. Servietten für weitere Mitgliedsanträge haben wir noch genug! ;-)"

Michael, 36 Jahre - Festtagstracht:

„Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“
 
„Ich bin vor 10 Jahren aus beruflichen Gründen nach Bad Cannstatt gekommen. Da ich mich in meiner Heimat bereits mit der Fasnet stark dem Brauchtum verschrieben habe und die dortige Narrenzunft Pfullendorf wie der Kübelesmarkt in der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte ist, fiel mir die Kontaktaufnahme zu den Cannstatter Küblern leicht. Auf der Suche nach einem Verein oder einer Gruppe, bei der ich meine Ideen und Ideale einbringen und umsetzen kann, wurde ich bei der Trachtengruppe fündig. Auch wenn ich ursprünglich nicht aus Bad Cannstatt komme, fühle ich mich meiner Tracht und der Trachtengruppe eng verbunden.“

Veronika, 26 Jahre - Werktagstracht:

"Kann man Tradition lernen?"
 
Ich habe mich immer gefragt: „Ist das Leben von Tradition und Bräuchen anerzogen? Oder hat man es sogar im Blut? Hat man es, oder hat man es nicht?“
Warum ich mich das gefragt habe?
Seit mindestens drei Generationen wird bei uns in der Familie TRADITION gross geschrieben. Ich habe sie sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen – war seit ich laufen kann (und wahrscheinlich schon früher) in Tracht und Häs unterwegs. Und das immer mit großer Leidenschaft.
Und daher zurück zu meiner Frage: Für mich gab es nie einen Gedanken daran, die Bräuche und Traditionen unserer Ahnen nicht mehr zu leben. Doch können Menschen ohne Bezug zum Thema genauso leidenschaftlich mit dabei sein?
Ja, sie können. Und das zeigt unsere Trachtengruppe ganz hervorragend. Wir sind eine junge Truppe die sich in einer wunderbaren Gemeinschaft ein paar Mal im Jahr in die Menschen vor einigen Jahrhunderten zurückversetzt und ihre Kleidung trägt. Und warum? Weil wir alle nicht vergessen sollten wo wir herkommen während wir diesen Post auf Facebook lesen :-)

Anna, 28 Jahre - Werktagstracht

"Mit Trachten "alte" Traditionen aufrecht erhalten"
 
"Ich bin in Cannstatt aufgewachsen und kenne den Verein des Kübelesmarktes seit meiner Kindheit. Seit bald 10 Jahren bin ich nun Mitglied der Narrenzunft.
Vor mehreren Jahren bin ich dann durch meine Schwester - die selbst auch eine Werktagstracht hat - zur Trachtengruppe gestoßen und zum ersten Mal in ihrer Tracht beim Volksfestumzug mitgelaufen.
Es hat mir sehr gefallen, in die Tracht unserer Vorfahren zu schlüpfen, die sie bei ihrer Arbeit trugen.
Daraufhin habe ich mich entschlossen, mir selbst unter Anleitung und großer Hilfe eine Werktagstracht zu nähen.
Die Ausflüge die wir gemeinsam unternehmen - wie zum Beispiel in den Europapark, zum Oktoberfestumzug nach München oder der Volksfestumzug in Cannstatt - machen große Freude und es ist sehr beeindruckend die anderen Gruppen und deren Traditionen kennen zu lernen."

Tina, 37 Jahre - Werktagstracht

"Traditionen und Werte leben und weitergeben"


 "Als Cannstatter Mädel bin ich seit 2002 Mitglied des Kübelesmarktes Bad Cannstatt. Einige Zeit später bin ich dann auch zur Trachtengruppe gekommen. Voller Ehrfurcht aber auch Stolz bin ich damals in geliehener Tracht meinen ersten Volksfestumzug mitgelaufen. Von da an war klar: "da bleib ich dabei!" Schon beim Nähen der eigenen Werktagstracht wurde mir bewusst, welche Tradition und durchdachte Handwerkskunst dahintersteckt, die einen durch die verschiedenen Lebenssituationen einer Magd begleiten kann. Ich finde es faszinierend, welche Geschichten und Überlieferungen sich hinter unseren "Häsern" verstecken. Es ist toll, Brauchtum in der Gruppe erlernen und in der Moderne leben zu können. Ich freue mich schon, diese Traditionen und Werte an die nächste Generation weitergeben zu können."

Anna, 31 Jahre – Werktagstracht

„Prinzessin vs. Werktagstracht“

Seit 2013 bin ich nun Mitglied in der Trachtengruppe. Franzi hatte es nicht schwer mich zu überreden, da ich mich schon als Kind gern verkleidet habe. Vor allem das Leben unserer Vorfahren und die historische Kleidung haben es mir schon immer angetan. Gerne würde ich mich auch als Prinzessin verkleiden, bedauerlicherweise gab es meiner Meinung nach aber keine Prinzessin von Bad Cannstatt ;-) So bin ich nun, nicht weniger stolz, als einfache Magd in Werktagstracht unterwegs. Die Sache mit der Prinzessin lebe ich solange an der Fasnet aus.
Auf dem Foto trage ich stolz ein „buckliges Schürzle“ und „verstecke“ darunter unseren kleinen Sohnemann. Dass man früher die Werktagstracht als Schwangere mit ein paar Handgriffen einfach umbauen und weitertragen konnte, begeistert mich als gelernte Damenschneiderin in unserer heutigen Konsum-/ und Wegwerfgesellschaft umso mehr.
Mein handwerkliches Geschick beim Nähen der neuen Werktagstrachten teile ich dabei gern mit unserer Nähmeisterin Rita. Wer weiß, vielleicht stiftle ich schon bald meinen Rock für die Festtagstracht und komme der Prinzessin damit wenigstens ein bisschen näher.

Sarah, 36 Jahre – Festtagstracht

„Als geborene Cannstatterin an einem Stück Cannstatter Tradition teilhaben dürfen“

„Als ich 1999 meinen ersten Felbenorden verliehen bekommen habe, hat man damals mit einem Augenzwinkern zu mir gesagt: „Jetzt fehlt nur noch, dass du in die Trachtengruppe eintrittst.“. Das war für mich damals absolut ausgeschlossen. Und jetzt stehe ich hier, viele Jahre später und trage voller Stolz eine Cannstatter Festtagstracht, die an Anna Barbara Ludwig angelehnt ist und zur damaligen Zeit Schaustellerin war. Als ich nach vielen zerstochenen Fingern und endlosen Nähstunden mit meiner Tracht zum Traditionsmorgen 2015 auf den Wasen gelaufen bin, war ich ehrfürchtig. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass Anna Barbara Ludwig vielleicht in dieser Tracht einmal tatsächlich auf dem Wasen als Schaustellerin gestanden ist, das war schon was.
Durch Zufall habe ich bei meinen Eltern zu Hause ein altes evangelisches Gesangbuch von 1890 gefunden, welches ich dann gleich für unser Shooting mitgenommen habe. Zu einer Festtagstracht passt das glaube ich, ziemlich gut. Auch wenn es so vorübergehend in katholische Hände gefallen ist.
Es ist einfach wunderschön, wenn ich diese tolle Gruppe sehe, die sich mit Ihrer Heimat befasst und mit aktuellen Bräuchen auseinandersetzt. Egal ob in einer Cannstatter Tracht oder wie an der Fasnet, im Häs. Und wenn ich uns alle so nach dem Volksfestumzug auf dem Wasen im Riesenrad sitzen sehe, glaube ich fest an eine schöne Cannstatter Trachtenwelt abseits aller Plastikdirndl, die ein paar Meter weiter unten mit Turnschuhen durch die Gänge laufen.“

Angela, 28 Jahre - Werktagstracht

"Auf geht’s!“